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Sauna in Los Angeles und ein Ersatz für den Wald

Ein freier Tag stand an, sodass ich beschloss, die neue Swimmingpool-Abteilung meines Fitnessstudios auszuprobieren. Als saunaverrückte Finnin interessierte mich natürlich, wie die Einheimischen die Sauna besuchen. Nach dem Fitnesstraining ging ich schwimmen und danach in die Sauna. Ich war ziemlich überrascht, als dort eine junge Frau in voller Trainingskleidung und mit Joggingschuhen an den Füßen auf der Saunabank saß und auf ihren Handy herumtippte. Als noch eine weitere junge Frau, auf die gleiche Weise bekleidet, mit In-Ear-Kopfhörerden Saunaraum betrat und ihren Rucksack auf die Saunabank klatschte, kam ich mir in meinem Badeanzug schon ein wenig deplatziert vor. Die Temperatur lag bei etwa 70 °C, sodass ich mich fragte, wie die elektronischen Geräte wohl auf die feuchte Hitze reagieren würden. Ich sah mich nach Wasserkübel und Aufgusskelle um, bemerkte aber nur ein Schild an der Wand, auf dem hingewiesen wurde, dass kein Wasser aufgegossen werden dürfe, weil die Gefahr eines Kurzschlusses im Saunaofen bestehe.

Ich wollte die Sauna bereits verlassen, als eine ältere Frau mit nacktem Oberkörper den Raum betrat, die oberste Saunabank erklomm und es sich dort bequem machte. Eine der jüngeren Frauen nahm ihren In-Ear-Kopfhörer ab. Da ich neugierig war, begann ich ein Gespräch mit ihr. Ich fragte, warum sie ihre Trainingskleidung in der Sauna trug. Sie erzählte, dass sie kein Interesse am Fitnesstraining hätte. Weshalb solle man sich die Mühe machen, wenn man durch Schwitzen in der Sauna denselben Effekt erzielen könne. Dann fügte sie noch hinzu, dass sie ihrem Freund versprochen hätte, mit dem Fitnesstraining zu beginnen, und dass sie verschwitzt nach Hause kommen müsse, damit der Freund zufrieden sei. Die ältere Dame auf der oberen Bank begann plötzlich so laut zu schnarchen, dass ich die Flucht ergriff, um mich zu duschen.

Ich vermisse die Sauna und ich vermisse den Wald, den man in Los Angeles nur mit Mühe finden kann. Statt im Wald auf Wanderung zu gehen, marschiere ich jetzt Gebirgshänge hinauf und hinunter. Hiken, wie es die Einheimischen nennen, ist hier voll im Trend. Viele Weltstars kommen hierher, um auf den Routen gesehen zu werden, und viele andere kommen, weil sie die Weltstars sehen wollen. Doch gibt es auch Alternativen: Ich habe wunderbare stille Hikingrouten gefunden, die sich weit in die Höheerstrecken und ein fantastisches Panorama über Los Angeles und Umgebung bieten. Die Luft dort viel frischer als in der Stadt. Und wenn sich dann noch bei Sonnenuntergang die Strandlinie immer deutlicher in der Ferne abzeichnet, ist die Sehnsucht nach dem Wald ein wenig leichter zu ertragen.